Die Vier-Seen-Wanderung

Vier Seen, drei Kantone, viele mystische Landschaften. Das alles bietet die Vier-Seen-Wanderung von Melchsee-Frutt nach Engelberg – oder umgekehrt. Der Bericht einer schönen, abkühlenden Wanderung an einem bewölkten Sommertag.

Der Melchsee und der Weiler Frutt

Der Startpunkt der vier- bis sechsstündigen Vier-Seen-Wanderung (je nach dem ob man alles zu Fuss macht oder doch ein Sessellift besteigt) liegt auf dem Hochplateau von Melchsee-Frutt. Das auf 1’920m ü. M. gelegene Dorf ist per Seilbahn von der Stöckalp aus am Besten erreichbar. Der kleine und familienfreundliche Ferienort ist insbesondere im Winter für sein Skigebiet und für das Eisfischen auf dem See bekannt. Mit dem Melchsee liegt der erste See des Tages unmittelbar hinter dem Feriendorf im Kanton Obwalden. Graues und trübes Wetter begrüsste mich an diesem Morgen – zum Glück jedoch ohne Regen. In den frühen Stunden verlieh das Sonnenlicht dem Ganzen ein wunderbar mystisches Schauspiel, welche meine senile Bettflucht belohnte.

See Nummer 2: Der Tannensee

Dem Melchsee entlang Richtung Osten führt ein eher flacher Wanderweg zum nächsten zweiten See des Tages, der Tannensee. Die Wanderzeit zu diesem Stausee in den Urner Alpen wird von Melchsee-Frutt auf eineinhalb Stunden angeschrieben, wer jedoch ein bisschen zügig läuft, hat deutlich weniger lang. Entstanden ist der kleine See durch einen 1958 fertiggestellten Erdschüttdamm, der die herabfliessenden Bäche der Region aufstaut. Auf dem Weg entlang dem Tannensee waren die Wolken mein kleines Highlight, die im Minutentakt ein anderes Bild abgaben und somit auch ständig für andere Lichtverhältnisse sorgten.

See Nummer 3: Der Engstlensee

Bis zum dritten See der Vier-Seen-Wanderung musste ich nun deutlich mehr Zeit einplanen. Der längere Weg hinunter zur Engstlenalp führt an verschiedenen Bauernsiedlungen vorbei. Es ist ein sehr schöner Wanderweg, den ich nur weiterempfehlen kann: Genau diese idyllische Ruhe habe ich gesucht, die ab und zu vom Geräusch kleinerer Wildbächen und Vögel unterbrochen wird. Und ja, kaum war ich auf dem Boden des Kantons Bern angelangt, da schien doch tatsächlich die Sonne. Was für eine Freude. So gönnte ich mir auf der Terrasse des Hotel Engstlenalp eine Stärkung am Sonnenschein – ich ahnte irgendwie schon, was noch auf mich zukommen würde.

Der Engstlensee habe ich letztes Jahr zum ersten Mal besucht. Dieser natürliche und fischreiche Stausee wird auch zur Stromerzeugung genutzt. Bei windstillen Verhältnissen können hier tolle Bergseen-Fotos mit Spiegelung im Wasser gemacht werden. Leider wehte diesmal ein feiner Wind und verunmöglichte mir diese typischen Aufnahmen.

Für den vierten See des Tages muss von hier aus der Jochpass überwältigt werden. In der (falschen) Annahme, dass der Sessellift die Sommersaison noch nicht begonnen hat, startete ich den Aufstieg zu Fuss. Erst nach rund 200 Höhenmeter realisierte ich, dass die Sessel an mir vorbeibrausten. Dieser Aufstieg hat es in sich – und ich war froh, hatte ich im Hotel Engstlenalp noch ein Stück Rüeblikuchen gegessen. So konnte ich trotz Anstrengung den einmaligen Blick über den Engstlensee sehr geniessen.

See Nummer 4 der Vier-Seen-Wanderung: Der Trüebsee

Vom Jochpass zum Trübsee hinunter nahm ich dann doch ein Sessellift – aus falschen Annahmen lernt man bekanntlich. So kommt man direkt an den Fuss des Titlis. Aller Guten Dinge sind an diesem Tag ausnahmsweise vier: Hallo Trüebsee, hallo See Nummer vier des Tages. Und wie es der Name verrät, ist das Wasser hier alles andere als klar. Dennoch finde ich diesen See bezaubernd. Insbesondere mit den Strapazen des Jochpasses in den Beinen.