Hier kommen ein paar Tipps & Tricks, die ich selber bei einem Portraitfotografie Shooting beachte – ganz nach dem Motto, mit einfachen Mittel grosse Wirkung erzielen.

 Portrait Fotografie

Die Portraitfotografie – Portraitfotos machen, oder wie Menschen Menschen sehen

Weihnachten, Neujahr, Ostern, Geburtstagsfeier – oder sonst einfach ein spontanes Fotoshooting: Es gibt etliche Anlässe und Möglichkeiten, um als Fotografen den Menschen ins Zentrum der Ereignisse zu rücken. Dabei geht es nicht nur darum, das menschliche Subjekt einfach abzulichten. Die Aufgabe lautet, ein Foto von jemanden machen und dabei seine Persönlichkeit zu zeigen. Die individuelle Persönlichkeit, mit allen Ecken und Kanten. Bei der Portraitfotografie schaut der Fotograf in die Seele des Protagonisten. Denn Menschen lieben Gesichter. Weil Gesichter erzählen Geschichten, und transportieren Emotionen.

Mit diesen einfachen Tipps und Tricks kannst Du Deine Lieblingsmenschen (und sonstige Fremde) ins perfekte Licht stellen.

1. Komische Posen vermeiden – natürlich wirken

Natürliche Posen, herzhaftes Lachen, natürliche Gesichtsausdrücke – das sind schöne Portraits, da sind wir uns wohl alle einig. Solche Bilder wirken authentisch, echt, und als natürliches Abbild des Lebens. Und trotz allem sollten die Personen vorteilhaft aussehen, möglich perfekt, ohne dick zu wirken, ohne Doppelkinn im Gesicht. Wenn man nur wenige Kleinigkeiten beachtet, ist man schon auf gutem Weg den Protagonist natürlich wirken zu lassen:

  • Arme und Hände nicht einfach hängen lassen. Diese können an die Körperlänge oder Hüfte gelegt werden, halb oder ganz in den Hosentaschen platziert sein, ein Geländer oder sonst ein Objekt halten. Dies fördert das aktive Aussehen, und wird nicht als herrenlosen Kartoffelsack wirken.
  • Unser menschliche Körper ist nicht ganz symmetrisch und daher „unperfekt“ – und das ist gut so. Dies bedeutet aber, vermeide die Suche nach der perfekten Symmetrie!
  • Dynamisch und aktiv wirken, sei es durch Gesichtsmimiken oder gedrehter Körperhaltung. Dies versteckt auch gleich die unvorteilhaften Ecken des Menschen.

2. Vermeide bei der Portraitfotografie den Blick in die Kamera; der Fotograf ist doch gar nicht da?

Die ersten Bilder einer Serie sind meistens auch die schlechtesten, da sie häufig noch verkrampft und unnatürlich wirken. Sowohl die Models, der Fotograf und die Kamera müssen sich auf die Situation einstellen. Insbesondere am Anfang des Shootings gebe ich jeweils den Rat, daher erst mal nicht in die Kamera zu schauen. Mittels angenehmen Gespräche (siehe Punkt 3) und/oder Musik soll sich das Model wohl fühlen, und sich möglich normal verhalten. Gleichzeitig erhalte ich die nötige Zeit um die besten manuellen Einstellungen vornehmen zu können, um Objektive und Lichtverhältnisse perfekt zu berücksichtigen. Und aus der Sicht vom Model schafft der Fotograf eine möglichst angenehme Umgebung, um sich darin normal bewegen und leben zu können. Der Fotograf sollte nicht als Fotograf wahrgenommen werden, er wird eher zum stillen Beobachter.

Portraitfotos

3. Mit den Menschen reden & Sicherheit vermitteln

Eines der grossen Ziele von Potraitfotos ist das Einfangen des natürlichen Menschen, so wie er ist und wirkt. Wichtig ist dabei, dass zwischen Fotografen und Model ein gutes Verhältnis ensteht. Je wohler sich die beteiligten Personen fühlen, umso authentischer werden die Fotos. Daher ist eine offene Kommunikation zwischen den Beteiligten von grosser Bedeutung: Sorge für eine gute Stimmung bei Shooting. Bringe die Leute in diejene Emotionen, die dann in den Gesichter abzulesen sein sollen. Versuche Vertrauen zu schaffen, und gib als Fotograf klare Anweisungen. So vermittelst Du auch die Sicherheit, Du gibst dem Fotografierten das Gefühl, dass Du genau weisst was Du machst. Und dennoch stets locker bleiben, mit laufend (positiven) Rückmeldung. Das ganze soll schliesslich auch Spass machen.

4. Bewegung beim Subjekt….

Für natürliche und authentische Fotos sollte das Model nicht verkrampft sein – auch körperlich betrachtet nicht. Lass die Leute Grimassen machen, lachen, sprechen – aber auch laufen, tanzen oder sonst wie bewegen. Die körperliche Bewegung ist nicht nur gesund, sie wirkt auf Bilder auch dynamisch und attraktiv.

5. …und Bewegung beim Fotografen

Bleibe aber auch Du als Fotograf stets in Bewegung. Spiele mit den möglichen Perspektiven, sei mutig und versuche auch Neues aus. Wenn Du es mit Kindern zu tun hast, dann begehe Dich doch auf deren Augenhöhe und entdecke „ihre“ Welt. Aber wieso nicht auch, eine kleine Treppe oder Leiter besteigen, um eine Person von oben herab zu fotografieren? Es gibt nichts unmögliches, und aus verschiedenen Positionen gibt es ganz andere Fotos, die beim Anblick der Bilder schlussendlich auch andere Emotionen wecken.

6. Portraitfotos im richtigen Licht machen – zum Beispiel im Schatten

Das richtige Licht einschätzen – gar nicht so einfach. Grundsätzlich ist das beste Licht für die Fotografie stets das natürliche Licht von der Sonne. In der Portraitfotografie suche ich eher das indirekte, weisse und gleichmässige Licht, welches weiche Schatten wirft – und somit Deinem Motiv eher schmeichelt. Der lange Schatten einer Hausfassade ist in der Regel toll: Hier gibt es genügend Licht, das Modell muss die Augen nicht zukneifen und hat deutlich weniger Schweissperlen im Gesicht.

Doch auch hartes, direktes Licht kann seinen Reiz ausüben. Dies ergibt kontrastreiche Portraitfotos, mit Ecken und Kanten. Daher: Experimentiere ruhig mit den verschiedenen Lichtmöglichkeiten. Farbe, Intensität, Härte….es gibt verschiedene Faktoren. Versuche gezielt Einfluss darauf zu nehmen. Zum Beispiel auch mit einem Blitz, wenn das Umgebungslicht nicht ausreicht. Oder mit einem Diffusor resp. Reflektor, der das Blitzlicht streut.

7. Ruhiger Hintergrund, Person im Vordergrund

Bei der Portraitfotografie geht es primär um das Model, um die Person vor der Linse. Alles rund herum ist Beilage. Der Fokus liegt auf das Subjekt, auf dessen Gesicht, Körperhaltung, Mimik. Der Hintergrund sollte daher ruhig wirken, und nicht zu fest ablenken. Ein guter Hintergrund wirkt unterstützend und setzt die Person noch mehr in Szene. Und als Fotograf kann man mit einer offenen Blende zusätzlich den Hintergrund unscharf gestalten, indem man die Tiefenschärfe gering hält.

Und auch wenn der Hintergrund nur Beilage ist – auch dieser sollte für das Shooting stimmen. Suche Dir, je nach Thema, auch die passende Location aus. Auch ein unscharfer Hintergrund vermittelt dem ganzen Portraitbild eine gewisse Atmosphäre. Und nein, für die Portraitfotografie ist kein Fotostudio zwingend nötig. Ein Industriegebiet, oder aber natürliche Landschaften wie ein Wald, eine Wiese oder einfach die heimischen vier Wände sind genau so gute Fotolocations.

Fotos Portrait

8. Fokus auf das Gesicht

Je nach Fotoshooting kann man auch ein Minimalismus Versuch starten, unter dem Motto „weniger ist mehr“. Es ist schliesslich nicht verboten auch den Zoom der Kamera zu benutzen, und den Fokus ausschliesslich auf das Gesicht zu setzen – oder sogar einzelne Gesichtsteile.

Für Portraifotografie wird empfohlen, Objektive mit Brennweiten zwischen 50mm und 100mm zu verwenden. Mit denen kann man hervorragend den Fokus auf den Menschen legen. Weitwinkelobjektive dagegen, können zu unvorteilhafte Verzerrungen führen (doch vielleich will man diese ja bewusst hervorrufen?).  Zudem empfiehlt es sich, ein Festbrennweite-Objektiv zu verwenden: Dessen Blende ist meist lichtstark  und kann weit geöffnet werden: So kann die Schärfentiefe minimiert werden und einen schönen Bokeh-Effekt hervorrufen.

Scharf stellen solltest Du in der Regel immer auf die Augen. Diese sind – nebst den Lippen – wohl der wichtigste Punkt eines Gesichts. Wie bereits erwähnt, ist eine geringe Tiefenschärfe (damit der Hintergrund unscharf wird) bei den Portraitfotos wünschenswert. Doch Achtung vor Übertreibung! Die Gefahr lauert nämlich, dass die Augen zwar scharf abgebildet werden, jedoch Nase und Ohren bereits wieder unscharf werden. Und je weiter die Blende geöffnet ist, desto mehr nimmt die optische Auflösung und Qualität der Bilder ab. Hier ist die persönliche Erfahrung gefragt – und daher: üben, üben üben!

9. Klassische Bildkomposition und der Goldene Schnitt

Bildkomposition und Bildaufbau sind in der Fotografie sehr wichtige und beliebte Themen – so auch in der Portraitfotografie. Das Spiel mit Vordergrund und Hintergrund, um eine Räumlichkeit ins Bild zu vermitteln. Oder das Spiel mit dem goldenen Schnitt, also das Bildobjekt eher im Bildverhältnis 2/3 zu setzen statt genau in der Mitte. Bei den Portraits sollte man zudem achten, dass über dem Kopf des Models das Bild endet, damit nicht zu viel Luft über dem Kopf übrig bleibt.

9 + 1. Bleibe beim Portraitfotos machen spontan. Vergiss die Regeln.

Portraitfotografie kann viel mehr als ein Passfoto oder Bewerbungsfoto sein. Bleib dafür kreativ, und versuche die klassischen Tipps & Tricks für bessere Fotos ganz bewusst aufzubrechen. Inspiriere Dich spontan mit den Gegebenheiten. Versuche eigene Verhaltensmuster aus, teste die verschiedenen Möglichkeiten aus. Notiere Dir, was gut geklappt hat, und was weniger. Lerne aus den Fehler und Erfolge. Sei mutig, und versuche auch Unvorgesehenes. Denn umso kreativer Du bist, desto spannender wird das Schlussresultat. Viel Spass!

Portraitfotografie

 

PS: Aus Rücksicht & Gründen des Datenschutzes stammen die Bilder in diesem Blogpost nicht von meiner Kamera, sondern ausschliesslich von der kostenlosen Bilder-Datenbank unsplash.com.

Zusammenfassung
9 + 1 einfache Tipps für die Portraitfotografie
Titel
9 + 1 einfache Tipps für die Portraitfotografie
Beschreibung
Hier kommen ein paar Tipps & Tricks, die ich selber bei einem Shooting mit Menschen jeweils beachte - ganz nach dem Motto, mit einfachen Mittel grosse Wirkung erzielen.
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