5 Gedanken zur Kunst der Streetfotos

“Streetfotografie ist kalkuliertes Risiko, ein Spiel mit dem Feuer & Gesetzen” Thomas Leuthard.

Grundsätzlich ist Streetfotografie eine spezielle Kunstform den Alltag der Menschen visuell einzufangen. Dabei stehen unterschiedliche Personen in ihrem alltäglichen Umfeld bei ihren alltäglichen Handlungen im Fokus. Ungefragte Portraits von Personen und deren “gewöhnlichen” Aktivitäten sind beliebte Fotosujets. Streetfotographie hat nur bedingt mit Strassen zu tun – ausser die Tatsache, dass die Stadt ein richtiger Ballungsraum der menschlichen Aktivitäten ist. Besonders in der Streetfotographie werden klassiche Regeln aufgeweicht, Grenzen bewusst überschritten und die vielfältigen Möglichkeiten ausgereizt. Es gibt kein richtig, es gibt kein falsch. Dennoch versuche ich in diesem Artikel Dir einige Gedanken zum Thema Strassenfotos mitzugeben.

 

I. Streetfotos sind unbekümmerte Fotos

Du hast Dich dafür entschieden, eine Strassenfoto-Session durchzuführen – sehr schön. Freu Dich auf die verschiedenen Alltagssituationen, geniesse den Moment und such nicht verkrampft nach Motiven. Beobachte unvoreingenommen das Leben auf den Gassen…lass Dich inspirieren. Tönt so einfach. Ist es eigentlich auch. Aber: Deine persönlichen Sorgen und Problemen lässt Du am besten zu Hause. Um Dich von möglichen Ängsten zu befreien, um unbekümmert Menschen zu Fotografieren, braucht man einen freien Kopf!

 

II. Thema und Anzahl der Motive festlegen

Den Alltag der verschiedenen Menschen zu Fotographieren ist logischerweise sehr vielfältig. Man kann gleich drauf los legen, gleich abknipsen was einem vor die Linse kommt – und mit gefühlten tausend Fotos nach Hause kommen. Dann wünsche ich Dir viel Spass beim Fotos sortieren, löschen und bearbeiten! Mein Vorschlag an Dich: Bevor du auf die Strasse gehst, lege ein übergeordnetes Thema für die Fotosesseion fest. Zum Beispiel stellst Du eine bestimmte Farbe ins Zentrum der Arbeit (“alles was rot ist”), oder eine bestimmte Aktivität (“Menschen beim Lesen”). Um eine Fotoflut zu verhindern, würde ich mich auch auf eine bestimmte Anzahl an Fotomotive beschränken. Ob es nun 18, 24, 27, 36 oder 52 sind, ist dabei wahrlich nebensächlich. Der Hintergedanke hier ist, dass Du Dich schon beim abknipsen mit dem Motiv richtig auseinandersetzt.

Havanna

Monsun

III. Der Menschenkenner

Wer als Menschenkenner unterwegs ist, hat in der Streetfotografie einen grossen Vorteil. Der kann nämlich Menschen genau beobachten, Gedanken lesen und so Handlungen der Menschen antizipieren. Der Menschenkenner weiss schon im Voraus, was, wie und wo etwas passieren wird. Er sucht Orte an bestimmten Tageszeiten auf, wo viele Menschen unterschiedliche Aktivitäten ausüben. Er hat die Fähigkeit in einer Menschenmasse unterzugehen, in unauffälliger Art sich frei zu bewegen. Er hat aber auch einen gesunden Mix in sich, aus Vorahnung, Geduld und reflexartige Schnelligkeit – so gelingt es ihm, den Auslöser immer im richtigen Moment zu drücken. Er weiss, das ein Fotosujet, in genau dieser Konstellation, nur einmal vor der Linse vorkommen wird. Der Menschenkenner sucht sich meist ungewöhnliche, ja schon fast groteske Fotosujets aus. Dafür sucht er die Nähe zum Fotoobjekt, sucht die emotionalen Details und versucht mit seinen Fotos eine Geschichte (weiter) zu erzählen.

Mein Tipp an Dich: Versuche auch Du, ein Menschenkenner zu werden!

 

IV. Fotomotiv, Bildgestaltung, Technik

Nicht die Kamera, sondern die Person hinter der Kamera macht das schöne Foto. Eine weltbekannte Floskel, die so auch für Streetfotos stimmt. Die grossen Meister sagen, ein gutes Bild bestehe aus gleichen Teilen aus dem Fotomotiv, der Bildgestaltung und der angewandten Technik. Kreativität ausleben, bedeutet zuerst einmal jegliche Grenzen und Regeln aufzubrechen. Die Suche und der richtige Umgang mit den Fotosujets ist ein langsamer Prozess. Jahrelange Übung führt zum Ziel – und das gehört nunmal dazu. Mein Vorschlag bezüglich Kameraeinstellungen:

  • Ein lichtstarkes Objektiv, je nach Geschmack mit einer Brennweite zwischen 20mm und 90mm
  • Serienbilder einschalten und pro Motiv 2-4 Fotos machen
  • Mehrfeldmessung einschalten
  • Autofokus einschalten; je schneller, umso besser

Streetfood Georgetown

V. Ein spezieller Umgang mit anderen Menschen

Wenn ich Thomas Leuthard zitiere, Streetfotografie sei ein Spiel mit dem Feuer und Gesetzen, ist das insbesondere bezüglich dem ungefragten Ablichten anderer Menschen gemeint. Ein zweites sehr schönes Zitat von ihm: “Wenn Du vorher fragst, wird es kein gutes Foto werden. Wenn Du nachher fragst, musst Du ein gutes Foto löschen.”

Grundsätzlich ist es nicht verboten Leute zu fotografieren, oder? Das Veröffentlichen der Fotos ohne deren Einwilligung ist problematischer, oder? Naja. Kommt drauf an. Informier Dich was in Deinem Land erlaubt ist, und was nicht.

Sucht man vor dem Abknipsen den Kontakt zur Person, geht der ganze Zauber der Spontanität und Natürlichkeit verloren: Die Person fängt anzu posieren, unnatürlich zu wirken. Nach jedem Foto die Einwilligung der abgelichteten Person einzuholen, ist aber schlichtweg nicht umsetzbar. Und solange man keine Probleme bekommt, kann man ja einfach abknipsen.

Streetfood Georgetown

Strassenfotos – Ein Fazit

Ich bin der Meinung, dass die Fotographie keine Grenzen haben sollte. Jedoch die Fotosujets müssen mit Anstand und Respekt begegnet werden. Jeder muss für sich entscheiden (und mit seinem besten Gewissen vereinbaren) können, was er ablichten will. Wenn jemand es so will, dann lösche das Bild sofort auf Deiner Kamera. Diskussionen sind in solchen Situationen sinn- und zwecklos. Streetfotografie ist eben ein kalkuliertes Risiko. Und Grenzen sollen auch mal aufgeweicht werden.

Fahrradfahrer in Malaysia

 

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